Katholische Pfarrgemeinde St. Gertrud Herzogenrath
 

Artikel und Photos zum Jubiläum 

Veröffentlicht am 4. Oktober 2016

Photos vom Hochamt mit Weihbischof Dick und den Augsburger Domsingknaben am 22. Mai 2016 in St. Gertrud; Photos: Franz Duesing

Hochamt am 22. Mai 2016


Veröffentlicht am 17. August 2016

AZ, 17.08.2016: Konzert in der Kirche – Chor und Instrumentalisten mit Beifall belohnt (PDF)

Veröffentlicht am 25. Mai 2016

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Photos: © Christoph Hahn

AZ, 23.05.2016: Kraft der Stimmen entfaltet – Augsburger Domsingknaben ernten in St. Gertrud reichlich Applaus (PDF)

Veröffentlicht am 14. Mai 2016

AZ, 13.05.2016: Augsburger Domsingknaben zu Besuch – Zum 900-jährigen Jubiläum der Pfarrei St. Gertrud tritt der renommierte Chor mit Werken von Bach, Byrd und Allegri auf (PDF)

Veröffentlicht am 14. Mai 2016

AZ, 12.05.2016: Blick in das Schatzhaus der Kirchengeschichte – 900-Jahr-Feier in St. Gertrud: Zum Jubiläum wird nicht nur eine Ausstellung mit Kostbarkeiten aus dem Archiv präsentiert. Am 21. Mai wird ein großes Stadtteilfest gefeiert. Die Augsburger Domsingknaben sind dabei auch zu Gast (PDF)

Veröffentlicht am 6. Mai 2016

AZ, 04.05.2016: Einst vor dem sicheren Verfall gerettet – In der Pfarrbibliothek von St. Gertrud ruhen wahre Bücherschätze. Highlights sind jetzt in einer Ausstellung zu sehen (PDF)

Veröffentlicht am 12. März 2016

AZ, 12.03.2016: Böser Pilz nagt am Gemäuer der Kirche – Aufwendige Sanierungsarbeiten am Afdener Gotteshaus. Seitenschiff und das komplette Mobiliar samt Orgeln sind betroffen (PDF)

Veröffentlicht am 1. März 2016

AZ, 27.02.2016: In St. Marien erklingt Musik zur Passion – Kirchenmusiker und Sänger verzichten auf eine Gage zugunsten einer Türkollekte für die Pfarrkirche St. Gertrud (PDF)

Veröffentlicht am 14. Oktober 2015

AZ, 13.10.2015: Lokale Kirchengeschichte packend aufbereitet – Der Historiker Frank Pohle blickt auf 900 Jahre Pfarre St. Gertrud in Herzogenrath. aber auch die zehnjährige Pfarrfusion steht im Blickpunkt des Vortrags (PDF)

Veröffentlicht am 5. Oktober 2015

AZ, 03.10.2015: Blicke ins Schatzhaus der Geschichte – Herzogenrather Großpfarrei feiert gleich mehrfach Jubiläum: 900 Jahre St. Gertrud und 100 Jahre Kirchweihe St. Mariä Himmelfahrt (PDF)

Veröffentlicht am 5. Oktober 2015

Predigt zum 100jährigen Kirchweihjubiläum der Herzogenrather Marienkirche am Sonntag, dem 4. Oktober 2015
Erste Lesung: 2 Chr 5,6-8.10.13-14; 6,1-2
Antwortgesang: Ps. 84, 2-3.4-5.10-11a („Selig, die bei Dir wohnen Herr, die Dich loben allezeit“ oder „Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen“)
Zweite Lesung: Offb 21, 9b-14
Ruf vor dem Evangelium: „So spricht Gott, der Herr: Ich habe dieses Haus erwählt und geheiligt, damit mein Name hier sei auf ewig.
Evangelium: Joh 2,13-22


+ Liebe Brüder und Schwestern!

Sie tragen den Namen von Vögeln und sind dennoch Säugetiere, die „Mauerspechte“. Ihre Spezies wurde vor 25 Jahren geboren, als es darum ging, die Berliner Mauer abzutragen. Vom 13. August 1961 bis zum 9. November 1989 hatte sie die Deutschland geteilt und die Deutschen selbst in den beiden Landesteilen auf Abstand gehalten. Nach dem politischen Fall der Mauer wurde sie 1990 auch materiell abgetragen. Nicht wenige pickten sich damals mit Meißeln kleine Stücke aus der Mauer heraus, um sie als Reliquien aufzubewahren. Tausende dieser trophäensammelnden „Mauerspechte“ haben das Symbol der Trennung Deutschlands nun zu Hause, um es Freunden, Kindern und Enkeln zu zeigen. Die Stücke der Berliner Mauer sind wie vieles andere aus der Zeit der DDR die gruselige Hinterlassenschaft einer Diktatur, die die Menschen in eine Ideologie einzufangen suchte. Und wenn es nicht mit Überzeugung gelang, dann durch das Einsperren hinter einer dreimetersechzig hohen Mauer. In Berlin wurde damit die Mauer vom Symbol des Bergenden und Schützenden zum Symbol der Unfreiheit und des Gefangenseins.

Normalerweise sind Mauern positiver besetzt. Mauern sind dazu da, Menschen Geborgenheit zu schenken, Ihnen eine Behausung zu geben, damit sie nicht unter freiem Himmel leben müssen, damit sie wohnen können. Mauern sind zunächst einmal nicht etwas, das ausschließt, sondern das einschließt, wobei die Türen derjenige öffnet, der hinter ihnen wohnt.

So trifft es auch auf Kirchenmauern zu. Sie bilden einen abgeschlossenen und dennoch offenen Raum, in dem Menschen Zuflucht finden können und in dem sie jemanden finden, der immer für sie da ist. Kirchenmauern sind dazu da, einen erkennbar abgegrenzten Raum  zu schaffen, in dem – wie wir im Evangelium eben gehört haben – nicht Handel und Gewerbe stattfinden soll, sondern der eine „Gotteswohnung“ ist, wie wir in der ersten Lesung aus dem Buch der Chronik erfuhren, wo von der Einweihung des Tempels zu Jerusalem berichtet wurde. Wichtig bei dieser Schilderung ist, daß dort etwas Wesentliches und Entscheidendes für die Bedeutung eines Gotteshauses gesagt wird. Die Mauern, die man als äußere Hülle für den Tempel errichtet, dienen dazu, ein Heiligtum zu schaffen. Dort ist Gott auf eine besondere Weise gegenwärtig. Es sind Engel – Cherubim – anwesend, eine Wolke, die die Priester umhüllt und die anzeigt, daß hinter den von Salomo errichteten Mauern des Tempels Gott greifbar nahe ist. Die Mauern sind hoch aber nicht unüberwindbar. Sie sind für jeden durchlässig, der glaubt. Aber sie sollen auch alles draußen lassen, was Gott zuwider ist. Der heilige Zorn, mit dem Christus die Händler aus dem Tempel treibt, ist deswegen nur zu verständlich. Denn das Schachern und Reden an der Stätte des Heiligtums, vertreibt die Ehrfurcht, läßt das vergessen, was der Chor vorhin zum Eingang in der Vertonung von Anton Bruckner gesungen hat: „Locus iste a Deo factus est, inaestimabile sacramentum, irreprehensibilis est.“ – „Dieser Ort ist von Gott geschaffen, ein unschätzbares Geheimnis, kein Fehl ist an ihm.“ Mit anderen Worten, heilige Stätten müssen anders sein als Markthallen, Hörsäle und Theater, weil hinter ihren Mauern eine Wirklichkeit wohnt, die anders ist, heilig, nicht von dieser Welt.

Es ist das Verlangen der christlichen Kunst und Architektur der Jahrhunderte gewesen, genau dies zum Ausdruck zu bringen, wenn es darum ging, Kirchen zu bauen. Man wollte heilige Stätten schaffen, an denen derjenige geradezu greifbar lokalisiert werden kann, dem die Cherubim zurufen: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere!“. Diese heiligen Stätten sind deswegen aus dem profanen Gebrauch ausgesondert, weil sie Zufluchtsstätten sein sollen, an denen die Menschen, die in ihren Alltagen von den Sorgen um das Lebensnotwendige geknechtet werden, Gott nahe sein dürfen, der ihre Rettung ist. Die Offenbarung des hl. Johannes spricht ja in der zweiten Lesung vom Himmel, als dem mystischen Jerusalem, dessen Mauern die Stätte umfangen, an dem der Mensch erlöst ist, Mauern, die durchlässig sind für jeden, der an die Kirche glaubt, die auf das Fundament der Apostel gegründet ist. So sollen auch unsere Kirchen sein, Abbilder dieses himmlischen Jerusalem, die uns hier und jetzt schon hinter ihren steinernen Mauern eine Form der Nähe Gottes schenken, die nur noch im Himmel durch die unverhüllte Anschauung Gottes überboten wird.

Am kommenden Dienstag jährt sich der Tag zum einhundertsten Mal, an dem dieses heilige Haus geweiht und seiner Bestimmung übergeben wurde. Der Weiheakt war dabei etwas Einschneidendes, anders einschneidend als wenn die englische Königin einen Supermarkt eröffnet und dabei ein Seidenband durchschneidet, um ihn seiner Bestimmung zu übergeben. Damals hat man hier das neue Gotteshaus, das unsere Vorfahren mitten in den schlechten Zeiten des Ersten Weltkriegs finanziert und errichtet hatten, mitsamt seinen Mauern und seinem Interieur konsekriert, d.h. für die alleinige Bestimmung geweiht und ausgesondert, eine Stätte der Gottesgegenwart zu sein, ein Ort der Anbetung, an dem Menschen hinter den hohen Mauern zur Ruhe kommen können, Gott nahe sein dürfen, ihre Sünden reinwaschen lassen können und in der irdischen Eucharistie – wie es das Zweite Vatikanische Konzil fünfzig Jahre nach der hiesigen Kirchweihe gesagt hat – vorauskostend teilnehmen dürfen an jenem Kult, der im selben Moment im Himmel in Gegenwart aller Engel und Heiligen gefeiert wird, in dem wir die irdische Liturgie zelebrieren. Es sollte hier in Herzogenrath ein besonderer Akzent gesetzt werden gegen den Wahnsinn menschlicher Selbstüberschätzung der damaligen Zeit. Es wurden die Kräfte gebündelt, die die Christen damals zur Verfügung hatten, um deutlich zu machen, wo die Rettung liegt: hier hinter dieses Mauern, da wo Gott zu finden ist, wo Er real da ist, wo Er uns in die Knie zwingt, um uns groß zu machen, weil wir nur in der Anerkennung Seiner Größe wahre Menschen sein können und eine berechtigte Hoffnung haben.

Das, liebe Brüder und Schwestern, sollte uns heute, am Kirchweihjubiläum dieser unserer Marienkirche erneut Vermächtnis sein. Daß wir in jeder Zeit  - heute vielleicht sogar mehr als jemals sonst zuvor – heilige Häuser brauchen. Tempel der Gegenwart Gottes, die uns Zeugnis geben davon, wer Gott ist und wer wir Menschen sind. Eine Einsicht, die uns Christen u.a. der Islam heute nahezu unschlagbar stark vor Augen hält, wenn zum Beispiel aus Saudi-Arabien vermeldet wird, man nehme zwar keine muslimischen Flüchtlinge aus Angst vor Terrorismus auf, werde aber gerne in Deutschland 200 Moscheen für die Glaubensbrüder bauen, damit sie dort ihr unverzichtbares Gebet verrichten können.

Unser heutiges Fest ist in diese Zeit hineingestellt, in der uns derlei Nachrichten erreichen, die uns aufmerken und sicher auch beschämt sein lassen dürfen, angesichts dessen, daß wir Christen mehr und mehr das Bewußtsein für die Bedeutung von Kirchen als heilige Stätten verloren haben, die doch so nötig sind, um allem Unheiligen zu widerstehen. Es darf angesichts der Botschaften der Heiligen Schrift, der christlichen Tradition und schließlich auch der Botschaft aus dem starken Lager des Islam nicht als Fortschritt gewertet werden, denn heute deutsche Bistümer Anreize schaffen, aus Kirchen Kletterhallen zu machen, in ihnen bei Pfarrfesten Nudelsalat zu essen oder – wie jüngst in Aachen – die fürchterlich nihilistische Botschaft des Buddhismus in ehemaligen Kirchen durch tibetanische Mönche in Form von Mandalas verbreiten zu lassen – dort, wo einst Gottes Gegenwart in den Sakramenten gefeiert wurde.

Deswegen mag uns dieses heutige Jubiläum gerade zum Auftakt unseres 900jährigen Jubeljahres der Pfarrei eine große Motivation sein, die Kirchen zu nutzen, den heiligen Boden häufig und mit Ehrfurcht zu betreten. Und nicht zuletzt alles dafür zu tun, daß sie uns erhalten bleiben, die Gotteswohnungen, deren Mauern uns Räume der Stärkung schenken, so wie es die große deutsche Dichterin Gertrud von le Fort in ihren „Hymnen an die Kirche sagt: „Ich möchte  mein Haupt eine Stille lang in Deinen Schoß legen! Ich möchte  eine Hoffnung lang in Deinen Armen rasten! Aber Du bist keine Herberge am Wege, und Deine Tore öffnen sich nicht nach außen: Keiner, der Dich fahren läßt, hat Dich erfahren! Du sprichst zu den Zweifelnden: "Schweiget!“ und zu den Fragenden: "Kniet nieder!“. Du sprichst zu den Flüchtigen "Gebt euch preis!“, und zu den Flügelnden: " Laßt euch fallen!". An Dir wird jede Wanderschaft lahm, und jede Wallfahrt findet an Dir nach Hause.“

Die Pflege und der Erhalt unserer Kirchen ist deswegen mehr als das Hüten von steinernen Reliquien, wie das Aufbewahren von kleinen Betonsplittern in den heimischen Schubladen der „Mauerspechte“. Der Erhalt unserer Kirchen wird nur durch ihre wesensgemäße Nutzung als Gottes-Häuser gelingen. Eine Religion, die ihre heiligen Häuser nicht mehr als solche nutzt, zeigt, daß sie verloren hat. Dann erst die Orte des Heiligen schenken der Welt die Botschaft, die sie braucht, auch wenn sie sie oft nicht hören will. Darum muß in unseren Kirchen schweigen, was den Menschen unheil macht und spürbar sein, daß es Gott gibt - und daß der Mensch es nicht ist!

Dr. Guido Rodheudt, Pfarrer